„Wir leben in einer Senioren-Simulation“

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Eingeschränkte Mobilität als Chance für Innovationen nutzen

Bonn, 07.05.20 Was es bedeutet, wenn wir uns nicht frei bewegen können, hat jeder durch die Abstandsregeln der letzten Wochen am eigenen Leib erfahren. Für viele Senioren gehört eine eingeschränkte Mobilität zum Alltag. Vielleicht bringt die unfreiwillige Häuslichkeit während der Corona-Krise Start-ups hervor, die Mobilität für Ältere neu erfinden?

Wir treffen Freunde höchstens virtuell, verreisen nicht, und es gibt keine Veranstaltungen oder Feiern, auf die wir uns freuen können. „Wir alle simulieren zurzeit das Älterwerden“, bringt es Mobilitätsexperte Lukáš Kendík auf den Punkt1. Wer glaubt, dass Ältere weniger Wert auf Unternehmungen legen als Jüngere, irrt: 63 Prozent der Teilnehmer einer Online-Umfrage der Deutschen Seniorenliga2 fürchten sich vor einer Verschlechterung ihrer Mobilität als Folge der Corona-Krise, 80 Prozent vermissen ihre sozialen Kontakte. „Ausflüge sind, gefolgt von Einkäufen und Besuchen, für Senioren der wichtigste Grund, unterwegs zu sein“, bestätigt Kendík.

Dass Innovationen im Bereich Mobilität Zukunft haben, stellt niemand infrage. Dass Senioren dabei eine wesentliche Rolle spielen, wird indes leicht vergessen. „Dabei wächst keine Kundengruppe so stark und unaufhaltsam wie sie. So liegt das Durchschnittsalter der Käufer von Neuwagen bei 53 Jahren“, weiß Frank Leyhausen, Initiator des SENovation-Award1. Zum einen verfügen sie über die finanziellen Mittel, zum anderen gleichen die heute verfügbaren Assistenzsysteme so manche körperlichen Defizite aus, die das Älterwerden mit sich bringt. Viele neue Features sind gerade für ältere Autofahrer sehr hilfreich – wenn sie richtig genutzt werden. „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, betont Leyhausen.

„Touchscreens sehen zwar toll aus und lassen sich von Jüngeren meist intuitiv bedienen. Ältere kommen damit oft nicht zurecht, weil das Haptische fehlt.“ Wie man erfolgreich Produkte entwickelt, die auf die ältere Zielgruppe zugeschnitten sind, verrät Thomas Appel, Gründer und Geschäftsführer der Saljol GmbH1, die seniorengerechte Mobilitäts- und Alltagshilfen für zuhause anbietet. „Wir beziehen in die Entwicklung unserer Produkte von Anfang an die potenziellen Nutzer, also die Älteren mit ein.“

Der SENovation-Award will junge Gründer dafür begeistern, Produkte oder Software-Lösungen zu entwickeln, die (auch) ältere Menschen ansprechen. Gründer in der Seed-Phase und Start-ups, die nach dem 29. Juni 2017 gegründet wurden, können sich noch bis zum 30. Juni mit ihrem Projekt bewerben. Ob es dabei um Mobilität, Digitalisierung, Food, Unterhaltung oder Gesundheit geht – alle Ideen sind willkommen. Der SENovation-Award wurde 2018 von der Deutschen Seniorenliga mit der SIGNAL IDUNA Gruppe ins Leben gerufen. Die Gewinner erhalten ein Preisgeld von jeweils 5.000 Euro und ein Coaching für ein Jahr. Informationen unter www.senovation-award.de

1 Online-Workshop „Mobilität – eine Frage des Alters?“, 29.04.20
2 Online-Umfrage der Deutschen Seniorenliga „Was verändert sich für Sie durch die Corona-Krise?“, 26.03.-08.04.2020