Zwei Sieger in einem Markt, den viele Gründer:innen missverstehen
Dortmund/Köln 15.09.2026 InflamAI und Healyan wurden mit dem SENovation Award 2026 ausgezeichnet. Beide Teams konnten zunächst eine Jury aus Senior:innen und anschließend die Fachjury überzeugen. Sie setzten sich gegen 44 weitere Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Die Verleihung fand auf der Kokerei Hansa in Dortmund statt.
In der Kategorie „Vorgründer” wurde InflamAI aus Springe ausgezeichnet. Der Gründer hat den ersten digitalen Rheuma-Begleiter mit Schub-Vorhersage entwickelt. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Ein junger Gründer, der aus eigener Betroffenheit heraus gehandelt hat und dabei alle Generationen berücksichtigt.“ In der Kategorie „Start-up” gewann Healyan aus Ilmenau. Das Team entwickelt eine Lichttherapie-Brille gegen kognitiven Abbau. Die Jury stellt fest: „Eine innovative präventive Lösung für die große Volkskrankheit Demenz.“ Ein Markt, komplexer als seine Zahlen. In Deutschland sind 19,3 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter, was 23 Prozent der Bevölkerung entspricht. Doch „die Älteren” als homogene Zielgruppe gibt es nicht. Zwischen einem 66-Jährigen im ersten Ruhestandsjahr und einer 88-Jährigen mit Pflegegrad gibt es mehr Unterschiede als zwischen 20- und 40-Jährigen. Das Medianvermögen der 65- bis 74-jährigen Haushalte liegt bei 193.300 Euro und damit fast doppelt so hoch wie im Bundesschnitt aller Haushalte. Trotzdem sind 19,5 Prozent der ab 65-Jährigen armutsgefährdet gegenüber 16,1 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Hinzu kommt, dass die Nutzer eines Produkts es oft nicht selbst bezahlen. Angehörige entscheiden mit und Krankenkassen erstatten die Kosten. In diesem komplexen Markt scheitern Lösungen regelmäßig nicht an der Technik, sondern an der Akzeptanz, da sie ohne Einbindung der Anwender entwickelt wurden. Genau deshalb entscheidet beim SENovation Award zuerst eine Jury aus Seniorinnen und Senioren. Eine alternde Gesellschaft verändert Märkte Torsten Uhlig, Vorsitzender der Vorstände der SIGNAL IDUNA Gruppe sowie Vorsitzender der Jury, stellt fest: „Unsere alternde Gesellschaft verändert Märkte, Nachfragen und Bedürfnisse grundlegend. Und das geht weit über Klischees wie Großtastenhandys oder Treppenlifte hinaus. Unbestritten verbessern diese Produkte die Lebensqualität, aber sie stehen sinnbildlich für ein veraltetes, sehr reduziertes Bild der älteren Generation. Doch das Alter von heute ist aktiv, technikaffin und anspruchsvoll. Es ist bunt, nicht grau. Deshalb fördern wir diesen Gründerpreis, der sich der Vielfalt des Alters verschrieben hat.“ Hintergrund Seit 2018 haben sich mehr als 550 Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beworben. Jährlich wird je ein Siegerteam in den Kategorien „Vorgründer” und „Start-up” ausgezeichnet. Der Preis wird von der SIGNAL IDUNA getragen, die Schirmherrschaft liegt seit Beginn beim Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Verein „Wege aus der Einsamkeit” organisiert das hybride Halbfinale vor der Senioren-Jury.